Gedächtnisprotokoll

Musiktipp: At The Drive In - One Armed Scissor

Das Thema Bahnfahrt bleibt in meinem Blog einfach ein beliebtes Themengebiet. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich das Vergnügen, mal wieder eine ganz spezielle erleben zu dürfen.

21.35 Uhr: Betreten des Zugs und des Abteils. Ich freue mich, da ich es für mich alleine habe. Ich wuchte meine 400 Kilotasche nach oben aufs Gepäcknetzglas, setze mich und öffne lächelnd mein Buch.

21.40 Uhr: Mit der obligatorischen Träne im Knopfloch blicke ich beim Überqueren der Elbe ein letztes Mal auf deren Ufer, die Frauenkirche und genieße nochmal dieses unglaubliche Bild, das mir beweist, dass Dresden noch immer vor Köln liegt im Ranking. Das bedeutet Platz 1!

21.45 Uhr: In Dresden-Neustadt sehe ich zum ersten Mal in meinen 24 Lebensjahren 2 Schwule IN SACHSEN. Dabei dachte ich, dass ich erst noch nach Köln fahre. Muss ich schon wieder raus?

21.50 Uhr: Die Blase drückt und ich suche das Zug-WC auf. Auf dem Weg dahin schlage ich ca. 4 Mal links und rechts gegen die Wand, da der Zug (mal wieder!) in dem Moment über mehrere Weichen rattert. Ich erreiche das WC und erkenne, warum man es auch "Scheißhaus" nennt. Das wundervolle Edelstahlbecken ist verziert mit - nun, nennen wir es Restkot. Das erste Mal an diesem Abend springt mein Essen nach oben und überlegt sich, ob es nicht nochmal das Tages- bzw. Zuglicht sehen will.

21.50 Uhr: Ich fasse den Entschluss, dass mein Erlebnis wohl schon für einen Eintrag reicht und wiege mich in Sicherheit, dass dies wohl auch das Schlimmste an diesem Abend war.

22.30 Uhr: Das Buch ist richtig spannend. Entspannt nehme ich einen Schluck O-Saft und verspeise genüsslich Mamas Fresspaket. Inhalt: 1 Schnitzel, 1 Käsebrot, 1 halbe Gurke (die nur zum Verzehr verwendet wird). Locker sitze ich ohne Schuhe mit den Füßen auf dem Sitz in meinem Abteil, ganz für mich allein. "So kanns weitergehn!" denk ich mir.

23.55 Uhr: Es geht nicht so weiter. Der Zug fährt in Berlin ein. Die Abteiltür öffnet sich und es tritt eine Frau ein. Nein, das passt nicht. Eine Männin, ein Unmann. Ich nenne sie nachfolgend nur noch Teutonen-Elli. Die Figur erinnert an einen Weihnachtsbaum, der noch im Juli im Wohnzimmer steht, sämtliche Nadeln verloren hat und vor sich hin stirbt.

23.57 Uhr: Teutonen-Elli is zu schlapp und braucht meine Hilfe, um ihren Koffer nach oben zu bekommen. "Bei dir wird so einiges nicht mehr nach oben kommen, wenn dus anfasst" denke ich mir.

23.59 Uhr: Teutonen-Elli zieht zuerst ihre Bluse aus. Ich bin schockiert. Gott sei Dank trägt sie darunter ein ärmelloses T-Shirt. Dabei stelle ich fest, dass sie unter den Armen noch ein paar Nadeln mehr hat als der angesprochene Juli-Weihnachtsbaum.

00.00 Uhr: Teutonen-Elli zieht ihre Schuhe aus! Ein beißender Schweißgeruch erfüllt das Abteil und in meinem Kopf kreischt ein lautes "OH MY FUCKING GOD!".

00.05 Uhr: Wir halten am Berliner Hauptbahnhof. Ich reiße das Fenster auf. Teutonen-Elli schaut mich irritiert an. Ich beruhige sie offenbar durch die offensichtliche Lüge "Nur ein bisschen lüften, bis wir weiterfahren!", die ich durch ein Lächeln perfektioniere.

00.07 Uhr: Das Lüften hilft nicht. Ich gebe T.-E. eine unterschwellige Botschaft, indem ich meine Schuhe wieder anziehe. Vielleicht versteht sie den Wink, vielleicht merkt sie, dass es ihre Stinkmauken sind, die mir die Tränen in die Augen treiben.

00.08 Uhr: Sie versteht die Botschaft nicht.

00.10 Uhr: Wir halten am Bahnhof Zoo. "Springe raus und tauche in die berühmte Heroin-Szene ein" denke ich mir. Diese Betäubung wäre sicher um einiges angenehmer. Die Abteiltür geht auf. Es treten ein: Ein langhaariger Mann in den Mittzwanzigern, der sicher Sören, Bjarne oder doch schon Kevin heißt und ein Mann, der wohl ursprünglich aus dem Morgenland stammt. Sören, Bjarne oder Kevin macht sich zuerst noch beliebt, da auch er sofort das Fenster aufreißt mit dem Originalzitat von mir!

00.12 Uhr: Der Zug fährt und Teutonen-Elli schließt das Fenster. Ich versuche, mich auf mein Buch zu konzentrieren. Gott, ist das spannend! Gleich passiert es, gleich... *KLICK*. Das Licht im Abteil ist aus. Teutonen-Elli will schlafen. Mit einem großen "Öh?" auf der Stirn schaue ich sie an, bereue sofort diese Entscheidung und bekomme die Erklärung, dass das Licht zu grell ist zum Schlafen. Um nicht in ein Gespräch zu geraten stimme ich schweigend zu und schließe mein Buch.

00.20 Uhr: Das ganze Abteil schläft. Das ganze? Nein, ein attraktiver Sachse am Fenster auf Platz 16 ist verzweifelt. Ali fängt an zu schnarchen, Teutonen-Elli wälzt sich von links nach rechts und Sören, Bjarne oder Kevin interessierts nen Scheiß und pennt wie ein Toter.

1.05 Uhr: Alis Schnarchen neutralisiere ich durch Musik aus dem MP3-Player, Ellis Fußgerucht beginnt, einzelne Körperteile von mir zu betäuben und zu lähmen. Ich weine mich in den Schlaf.

3.00 Uhr: Ich wache auf, wir stehen in Hannover. Der längste Halt der Fahrt. Keine besonderen Vorkommnisse. Dann fährt der Zug an und es passiert doch noch etwas. Sören, Bjarne oder Kevin kippt nach rechts um und landet mit seinem Schädel 2 cm neben meinem Schritt. Sören, Bjarne oder Kevin merkt das gar nicht und schläft weiter ohne auch nur zu zucken.

6.00 Uhr: Nachdem mich das Zyklon B unter den Schweißgerüchen für weitere knappe 3 Stunden aus dem Verkehr gezogen hat, wache ich im Ruhrpott auf. Bochum, Essen. Zwischen diesen beiden Städten fantastische Graffitis ala "SGD" und "A.C.A.B." an den Zugbrücken. "Die Szene lebt!" jubel ich in mich hinein und beobachte im nächsten Moment, wie Teutonen-Elli im Schlaf anfängt, zu grinsen. Sicher träumt sie von Petra, der Frau, die ihr mit 40 gezeigt hat, dass auch weibliche Wesen Orgasmen erleben können und sie überredet, ihren Mann Siegmar zu verlassen, weils der fette Wichser eh nicht bringt!

6.55 Uhr: Wir passieren Köln-Mülheim. Hätte mir jemand vor diesem Tag gesagt, dass ich mich mal freuen würde, wenn ich in diesem Stadtteil bin, hätte ich ihn ausgelacht und wär ihm mit nacktem Arsch entgegen gesprungen. Heute allerdings, im Angesicht der nahenden Erlösung, könnte ich schreien und springen vor Freude. Meine Gliedmaßen allerdings scheinen noch immer betäubt. Sören, Bjarne oder Kevin bewegt sich neben mir und wird wach.

7.00 Uhr: Wir überqueren den Rhein. Ich sehe den Dom, ich sehe den Fernsehturm und ich grinse. Ich stelle fest, dass Dresden wirklich nur sehr knapp vor Köln liegt und gnadenlos den Heimvorteil nutzt. Sören, Bjarne oder Kevin streckt sich, grinst wie ein Mondkalb und schreit "Na, dit ham wa ja mal janz jut überstanden, wa!". Ich überlege, ob ich eine Stich- oder Hiebwaffe bei mir habe, bewundere aber dann doch seinen Sinn für Ironie. Teutonen-Elli zieht sich die Schuhe an, meine Lungen tanzen Samba, voll mit neuem Lebensmut springe ich vom Sitz auf, verlasse das Abteil und warte auf die Ankunft am Hauptbahnhof.

7.05: Köln, Hauptbahnhof. Die Türen öffnen sich, ich bin frei. Ich überlege kurz, den Boden zu küssen. Teutonen-Elli überholt mich in diesem Moment, haucht mir ein "Tschüüüß" entgegen. Ich bleibe stehen, warte einen Moment und schicke Gott in Gedanken ein großes Dankeschön nach oben. ICH HABS ÜBERLEBT!!!
8.5.07 21:09


Auffälligkeit

Musiktipp: Dolly D. - SGD

Es gab eine Zeit, in der stand ein kleiner Junge nach jedem Heimspiel am Spielertunnel und wartete auf seine Helden und auf Autogramme. Nacheinander kamen sie quer über das Spielfeld gelaufen, schritten die Stufen nach oben. Einige kannten nach einer Weile sein Gesicht, ein Pole namens Toni Jelen kannte sogar eines Tages den Vornamen des Jungen und das Foto, auf dem beide vereint sind, hängt heute noch im A3 Format im Arbeitszimmer von Mama. Mit Originalautogramm, voller Stolz.

Der Junge war im Schnitt 15 Jahre jünger als die Spieler.

Heute schaute der Junge auf den Kader seines Lieblingsvereins. Der Name des Jungen und sein Geburtstdatum.

Steve R., 10.11.1982

Schauen wir uns einige Geburtstage der Spieler an.

Tino Berbig 07.10.1980
Oliver Herber 09.09.1981
Jan Koch 08.02.1984
Andre Weiß 05.10.1983
Paul Schletzke 02.10.1986
Sebastian Pelzer 24.09.1980
Michael Kügler 03.09.1981
Alexander Ludwig 31.01.1984
Michael Lerchl 09.08.1986
Cataldo Cozza 13.04.1985
Marco Vorbeck 24.06.1981
Marc Hensel 17.04.1986


Der Junge ist geschockt. Er erkennt, dass er älter wird. Unaufhaltsam, unerbittlich. Heute nennt er Spieler seines Vereins Rotzjungen, die nicht wissen, was es heißt, für diesen Verein zu spielen. Heute hat er 10 Jahre mehr Erfahrung, was eben diesen Verein angeht, als diese verdammten Rotzjungen.
Und nicht erst seit heute holt er keine Autogramme mehr. Er sagte mal "Für sowas bin ich zu alt." Heute weiß er, was dieser Satz bedeutet.
10.4.07 01:54


MOTHERFUCKING F.O.B.

Musiktipp: Fall Out Boy - Dance Dance

Ähnlich lang wie die Blog-Pause war auch die Konzertpause, aber gestern wurde sie endlich beendet - und wie!

Fall Out Boy standen auf meiner "To-Do"-Liste ja sowieso ganz oben, also stand die Entscheidung bereits 1 Millisekunde nach Bekanntgabe der Tourdaten fest - ICH BIN DABEI! Ein Konzert wäre natürlich kein Konzert ohne eine wunderschöne Frau an meiner Seite, also wurde auch die schnell überzeugt oder überrumpelt, wie auch immer man das nennen mag, wenn man fragt "Kommst mit?" und noch während der Frage die Tickets bestellt.

Da wir gute Plätze hatten, machten wir uns recht früh auf den Weg zur Halle und knappe 3 Stunden vor Einlass waren wir schon da. Zu unsrer Überraschung waren es mit uns dann vielleicht erst 20-25 Leutchen. Hatte aber seine Vorteile. Wir machen es uns vorm Eingang gemütlich und genossen die Sonne.

Ca 1,5 Stunden vorm eigentlichen Einlass bekamen dann die ersten Emokids und PEEEEEEEEN-Fans wohl Panik und begannen, aufzustehen. Da wir unsere formidable Ausgangsposition für gute Plätze nicht riskieren wollten, standen wir also mit auf. Zu meiner Überraschung blieb trotzdem alles sehr entspannt, kein Vergleich zu den Vorgängen vorm MCR Konzert im November.

Dann endlich öffneten sich die Türen und souverän, aber sehr zielstrebig suchten wir uns ein schönes Plätzchen. Das war auch schnell gefunden. Perfekte Sicht!

Als Vorband traten die Pinboys auf. Solide Musik, cooler Bassist, aber auf Dauer etwas anstrengend, was wohl an der Frauenstimme liegt. Nix gegen diese wunderschönen Geschöpfe, aber Rockmusik is MÄNNERSACHE!
Nach ca. 45 Minuten waren die dann fertig und spätestens jetzt begann das Bauchkribbeln und die Vorfreude kannte keine Grenzen mehr.

Dann wars endlich soweit. Das Licht ging aus, eine kleine Durchsage kam und dann wurde ein kleiner Remix von "This Ain't A Scene..." gespielt. Zuviel Hip Hop meiner Meinung nach, aber egal! Die 5 betraten endlich die Bühne, veranstalteten ihr kleines Ritual am Schlagzeug und dann gingen diese Schweine ja mal sowas von ab! Ich hab vorher nicht damit gerechnet, aber FOB sind live ganz ganz oben zu finden. Das komplette Konzert über gaben die Jungs alles und zeigten auch alles, was man sehen will bei so einem Konzert. Ins Publikum spucken, rumspringen, durchdrehen (im wahrsten Sinne des Wortes), schreien, nette Ansagen zwischendurch für die Mädchen, heeerrlich!

Für Köln hatten sie außerdem noch ein ganz besonderes Bonbon, denn sie spielten "Thnks Fr Th Mmrs". Nach Petes Aussagen das erste Mal überhaupt live. Glaubsch ihm zwar nicht ganz, aber nett is die Geste trotzdem.

Die Highlights für mich waren eindeutig das eben angesprochene "Thnks Fr Th Mmrs", "The Take Over, The Break's Over" und natürlich "DANCE DANCE". Es soll Beobachtungen gegeben haben, dass ich bei dem Lied wohl etwas die Kontrolle über meine Kopfbewegungen verlor :P.

Außerdem kam es zu einem saugeilen "Circle Pit". Sah richtig stark aus, leider verloren die Kids irgendwann das Gleichgewicht und somit wars damit auch wieder Essig.
Noch dazu trat eine mysteriöse Person auf in Kapuzen-Sweater und nach intensiver Besprechung kommen wir zum Ergebnis, dass es vielleicht ein Mitglied einer befreundeten Band war :P

Das Konzert wurde natürlich beendet, in dem man dem Mob gab, was er verlangte: Pete zum Anfassen!

So endete ein wundervoller Konzerttag, einer der schönsten, nach den beiden Panic!-Konzerten sicher auf Platz 3 in meiner Hitliste.

Thanks for the memories, they ARE great!

Nun freu ich mich auf den 3. April, wenn FFAF und MCR das Palladium hoffentlich genau so rocken!
28.3.07 20:47


Unloco - Failure

Maybe I...
I didn't seem to have a thing left to say
I bottled it far away
And maybe I...
I tried too hard to find someone to blame
Or maybe it's me who changed
And now I'm left with nothing...
Again

So what if I lost everything?
Would you want me if I was a failure?
So what if I lost everything?
Would you be there even when I am gone?

Maybe I...
I didn't seem to give everything away
Not because I needed you to stay
and I...
I couldn't face the fears I left far behind
I try to answer every question
To why I'm left with nothing...
Again

So what if I lost everything?
Would you want me if I was a failure?
So what if I lost everything?
Would you be there even if I was gone?

Maybe u couldnt see
all the pain inside of me
And now I feel like this was all for nothing
Cause I'm left with nothing
I'm left with nothing...
Again

So what if I lost everything?
Would you want me if I was a failure?

So what if I lost everything?
Would you want me if I was a failure?
So what if I lost everything?
Would you be there even when I am gone?

So what if I lost everything?
Would you want me if I...
If I...was a failure
22.2.07 01:27


Bud Bundy sagte einmal...

..."SCHEISSE, SCHEISSE! DIE GANZE WELT GEHÖRT ZUGESCHISSEN!"

Er war ein weiser Mann. Ein Mann ohne Sex, aber ein weiser Mann.
Musiktipp gibts natürlich auch noch. The Used - Take It Away

Die Tage, an denen die Pillen noch weniger wirken, als sowieso schon, stinken definitiv und irgendein Pharmaschwindler verdient sich auch noch dumm und dämlich daran!
10.2.07 05:03


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