Strohwitwer

Musiktipp: Arctic Monkeys - Balaclava (oder so)

Mindestens einmal im Jahr ist es soweit. Die wunderschöne Frau macht sich auf den Weg in den Urlaub. Zurück bleibt, auf Grund einer desaströsen finanziellen Situation, ihr Freund.

Der Freund hat es schwer. Da er ein Mann ist, darf er nicht zeigen, dass ihm der Abschied schwer fällt. Auf dem Weg zum Flughafen schaut der Freund immer wieder aus dem Fenster gen Himmel und hält die Hand der wunderschönen Frau fest. In dem Moment legt sie ihren Kopf auf seine Schulter und der arme Freund muss lächeln. Wie er es immer muss, wenn sie das tut. Ein Kuss auf den Kopf, ein Blick in die Augen und der arme Freund hats für ein paar Sekunden nicht mehr so schwer. Sie wird ja wiederkommen. Schon bald. Bald ist ein absolut subjektiver Begriff. 2 Stunden, 9 Tage. Die Definition von "bald" gestaltet sich offensichtlich sehr schwierig.

"Du schaffst das schon!"
"Hm ja. Muss ja, ne!"
"Genau!"

Ein Gesprächsfetzen, der nicht selten auftaucht in der unmittelbaren Zeit vorm Abschied. Die Zeit ist eh ne Hure und rennt unaufhörlich Richtung Abflugzeit. Es ist soweit. Eine Umarmung, ein Kuss und ein beschissenes Gefühl im Bauch und dann wars das.

Der Freund fährt wieder heim, allein. Er hofft, dass alles gut geht, die wunderschöne Frau heil und gesund ankommt, ihre Zeit genießt und einen schönen Urlaub verbringt. Aber noch mehr hofft er, ganz Egoist, dass die Tage bald vorbei gehen.

Er kommt zu Hause an und öffnet ein Bier, das er sich in weiser Voraussicht gekauft hat. Er schaltet den Fernseher ein. Nur Schrott. Er macht den Fernseher aus. Er setzt sich an den PC.

Wie immer trifft er dort einen seiner Freunde vom Fußball. Kein Wort über Freundin, Ablenkung ist nötig. Also entwickeln sich Männergespräche. Über schwule Bochumer, scheiß Chemieschweine und übers abendliche Fernsehprogramm. "Die glorreichen Sieben" laufen. Was für ein Film. Die coolste Sau der Welt, Steve McQueen, rockt mit 6 anderen Leuten 40 böse Gangster weg. Die geilsten Sprüche immer auf Lager.

Ebenfalls in weiser Voraussicht wurden mehrere Spiele installiert und Filme besorgt. Männerspiele, Männerfilme! Von Helge Schneider bis Bruce Willis. Alles, was nicht auf die "Das schauen wir"-Liste kommen würde, wenn man mit einer Frau gucken würde, eben.

In einigen Tagen beginnt eine Vollzeitbeschäftigungsmaßnahme, die hoffentlich im vollen Umfang ausgenutzt wird und zur weiteren Ablenkung dient.

Am Abend kommt eine SMS an. Die wunderschöne Frau ist wohlbehalten angekommen. Ein Lächeln, Freude und eine Antwort, in die direkt eingebunden wird, dass man sie vermisst. Das Highlight des Abends ist damit erledigt. Es ist nicht viel, aber es hilft doch so sehr und man weiß:

Die Tage gehen vorbei. Sie ist bald wieder da. Es wird knapp, alle Männerfilme in dieser Zeit zu schaffen!
2.7.07 17:27
 


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Harlekin / Website (4.7.07 22:16)
Es gibt immer einen Zeitpunkt, den man ungeduldig erwartet. Ein Ereignis auf das man sich freut. Es gibt einem, wenn auch nur ansatzweise, aber immerhin, einen Sinn zum Leben. Man erwartet dieses Ereignis, weil es das Einzige auf dieser gottverlassenen Welt ist, auf das man sich freut. [...]

:D

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