Post an die hohen Mächte

Lieber Gott, lieber Satan,

aus gegebenem Anlass schreibe ich euch beiden gleichzeitig. Machen wir uns mal nix vor. Der liebe Herr Gott weiß eh alles, auch, dass ich dem Satan einen Brief schreibe. Also tu ich so, als ob er für euch beide ist, dann ist der fromme Herr mit dem langen, weißen Bart nur noch halb so sauer und lässt mich eines Tages in sein Himmelreich, weil er mir doch noch einmal verzeihen konnte. Ein weiterer Grund, warum ihr beide mein Schreiben erhaltet, liegt darin, dass ich nicht weiß, wem von euch beiden ich die Erfindung des Nachbarn zu verdanken habe.
Wir kennen sie alle. Sie sind so nützlich, wenn man sich einmal eine Tonne Salz, eine Rolle Klopapier oder latexhaltige Verhütungsmittel leihen muss. Wie Glocken klingen uns ihre hilfsbereiten Antworten im Ohr, die einen darauf hinweisen, dass man doch in den „gottverdammten (tut mir leid, Gott, ich zitiere nur) Kiosk gehen und sich verpissen“ soll, da spürt man die Nächstenliebe.
Heute allerdings muss ich mich beschweren. Es ist Samstagmorgen 7.30 Uhr und ich muss eine Hose tragen. Ihr wisst es sicher beide, an diesem Wochentag und um diese Uhrzeit hab ich die Hose entweder gerade erst ausgezogen oder vergessen, wo ich sie verloren habe. Ist auch unwichtig, jedenfalls liege ich um diese Zeit im BETT und SCHLAFE! Nun durfte ich vor 15 Minuten einen Nachbarbesucher dezent darauf hinweisen, dass die Person, zu der er möchte, wohl nicht zu Hause ist. Auf die wahnwitzige Idee kam ich, weil dieser Typ doch tatsächlich vorher eine halbe Stunde lang Sturm klingelte. Eine halbe Stunde, die Durchschnittsdauer eines so genannten Klingeldruckes schätze ich auf 20 Sekunden. Da in meinem Haus die Klingeln den zarten Ton eines betätigten „Elektrischer-Stuhl-Knopfes“ durch die Luft hallen lassen und der angewählte Nachbar direkt in meinem Umfeld wohnt (deshalb wohl die Bezeichnung Nachbar), durfte ich mir das anhören. Aus meinem erotischen Traum, der natürlich von mir handelte, gerissen hoffte ich, dass sich dies bald erledigte. Es erledigte sich nicht!
So zog ich also meine Hose an, stiefelte in meinem gefährlich aussehenden Schlafgewand nach unten zur Haustür und machte die Sau rund. Wir diskutierten kurz, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass jemand zu Hause ist, wo er klingelt und wir kamen trotz seines Argumentes, dass „eignlichjemanddaseinmüsssssste“ zum Schluss, dass seine Bemühungen umsonst sind und er doch einfach einen anderen Freund zum Suff ausschlafen suchen sollte.
Etwas irritiert und wankend machte sich das Geschöpf auf den Weg und verschwand in der frischen Morgenluft.
Worum es mir nun geht, lieber Gott, lieber Satan, ist Folgendes: Bevor ich nun wieder aggressiv wie Nachbars Lumpi nach einem Coitus interruptus an einem Samstagmorgen zwischen N24-Dokus, Deal or no Deal und Tabaluga tivi rumzappen muss, möchte ich euch um eins bitten. Wenn dieser Typ jemals wieder hier auftaucht und den Klingelknopf betätigen will, dann nehmt ihn zu euch, auf der Stelle! Wenn ich ihn euch eigenmächtig schicke, bekomme ich irdischen Stress, ihr kennt die Prozedur.

Hochachtungsvoll,

ein, je nach Stimmungslage, Fan von euch beiden.
24.5.08 12:57
 


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